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Die zehn Gebote für Chorsänger
Netzfundstück nach Felix Schonauer

  1. Deine Stimme ist die Beste, sie sollte auch zu hören sein. Zögere nicht, beim Singen Dein individuelles Profil durch eigene Lautstärke, Tempo, Tongebung und Pausen zu schärfen.
     
  2. Noten, Pausen und ähnliche Zeichen über dem Text dienen nur der graphischen Ausschmückung; ihre Beachtung kannst Du ruhig Grafikern, Malern und anderen außermusiklalischen Freunden der bildenden Künste überlassen.
     
  3. Häufiges Fehlen bei Proben und Aufführungen steigern die Wertschätzung und nach einiger Zeit wirst Du als Rarität gefeiert.
     
  4. Ob Du 10 Minuten zu früh oder zu spät zur Probe kommst, ist reine Geschmackssache; als Zuspätkommer hast Du aber den großen Vorteil, daß viel mehr Leute Deine Anwesenheit zur Kenntnis nehmen. Zögere nicht, dann auch jedem die Hand zu schütteln, das gebietet die Höflichkeit.
     
  5. Versäume keine Gelegenheit mit Deinen Nachbarn über allgemein interessierende Themen, wie Haus, Küche, Schule, Kinder, Politik u.ä. zu plaudern, dies schafft ein gutes Arbeitsklima, die Chorprobe ist schließlich ein Anlass der Geselligkeit und der Kommunikation. Wer diese Gespräche bis direkt vor und sofort nach seinem Einsatz führt, vermeidet peinliche Pausen.
     
  6. Für die Vollständigkeit Deiner Noten bist nicht Du zuständig sondern der Chorleiter und der Notenwart. Wenn Dir wichtige Noten fehlen sind diese von diesen rechtzeitig nachzuliefern.
     
  7. Einsingeübungen sind nur für Sängerinnen und Sänger, die ihre Stimme nicht kennen oder nicht unter Kontrolle haben. Komm also entweder so spät, dass diese schon vorbei sind oder nutze diese Zeit, die Umstehenden mit Kommentaren oder amüsanten Gesten zu unterhalten.
     
  8. Spare niemals mit konstruktiver Kritik. Kommentare wie "So ein sch****-Lied" usf. wirken motivierend und bewahren vor schlimmen Fehlentscheidungen; neue Lieder sind ohnehin immer zu schwierig oder textlich völlig unmöglich.
     
  9. Du brauchst beim Singen nicht den Mund aufzumachen. Das ist nicht vornehm. Bewege ihn nach Möglichkeit überhaupt nicht; um so deutlicher ist die Aussprache. Mache dabei finsteres, grimmiges Gesicht, etwa so, wie Napoleon nach der Schlacht bei Waterloo, wie sonst soll das Publikum erkennen, wie schwierig das Stück ist?
     
  10. Die Anweisungen und Erklärungen des Chorleiters gelten natürlich nur für die anderen. Du weißt ja längst alles besser und langweilst dich. Es ist gut, wenn du das durch Gebärden und halblaute Bemerkungen zum Ausdruck bringst oder Du diese Zeit für ein Gespräch nutzt (→5).